Aktuelles
Staupe
Das Staupevirus breitet sich in Deutschland aktuell wieder rasant aus.
Immer häufiger melden Veterinärämter und Forstdienststellen Fälle von infizierten Wildtieren. Das Tückische daran: Füchse, Waschbären, Marder und Dachse dringen auf der Suche nach Nahrung längst in Parks, Vorgärten und städtische Wohngebiete vor. Sie bringen den hochgefährlichen Erreger direkt vor unsere Haustür – mit oft tödlichen Folgen für ungeimpfte oder unzureichend geschützte Hunde.
Was ist das Staupevirus überhaupt?
Die Staupe (Canine Distemper) ist eine hochansteckende, durch das Canine Morbillivirus verursachte Infektionskrankheit. Sie befällt neben Hunden auch wildlebende Raubtiere. Das Virus ist tückisch, da es hochaggressiv ist und fast alle Organsysteme des Hundes gleichzeitig oder nacheinander angreifen kann.
Übertragung: Wie steckt sich ein Hund an?
Eine Ansteckung erfolgt extrem leicht und oft unbemerkt. Infizierte Wildtiere scheiden das Virus über alle Körperflüssigkeiten aus – Speichel, Nasensekret, Kot, Urin und Tränenflüssigkeit.
Direkter Kontakt: Schnüffeln an einem kranken oder tot aufgefundenen Wildtier.
Indirekter Kontakt: Das Schnüffeln oder Lecken an kontaminierten Stellen (Futternäpfe im Garten, Pfützen, Gebüsche, Hundewiesen).
Tröpfcheninfektion: Niesen oder Husten infizierter Tiere in unmittelbarer Nähe.
Die Symptome: Eine Krankheit mit vielen Gesichtern
Die Inkubationszeit beträgt meist 3 bis 7 Tage. Nach ersten allgemeinen Anzeichen wie hohem Fieber, Appetitlosigkeit und Mattigkeit entwickelt sich die Staupe je nach befallenem Organsystem in verschiedenen Formen:
Atemtrakts-Form: Anhaltender, quälender Husten, eitriger Nasenausfluss, Bindehautentzündung mit eitrigem Augenausfluss, Lungenentzündung.
Magen-Darm-Form: Heftiges Erbrechen, wässriger bis blutiger Durchfall, extremer Flüssigkeitsverlust.
Haut-Form ("Hard Pad Disease"): Eine auffällige Verhornung und schmerzhafte Übermäßige Futter- bzw.
Hornhautbildung an den Pfotenballen und dem Nasenspiegel.
Nerven-Form (Die tödliche Phase): Das Virus dringt ins zentrale Nervensystem ein. Es kommt zu Muskelzucken (dem sogenannten "Staupetick"), Lähmungen, Orientierungslosigkeit, Krampfanfällen und Aggressivität.
Warum Staupe so gefährlich ist: Keine direkte Heilung möglich
Gegen das Staupevirus selbst gibt es keine antiviralen Medikamente. Wenn ein Hund erkrankt, können wir Tierärzte nur symptomatischer Natur helfen:
Infusionen gegen den Flüssigkeitsverlust
Antibiotika gegen bakterielle Sekundärinfektionen
Entzündungshemmer und Antikonvulsiva bei Krämpfen
Greift das Virus erst einmal das Nervensystem an, verläuft die Erkrankung in den allermeisten Fällen tödlich oder hinterlässt schwere, lebenslange neurologische Schäden.
Der einzig wirksame Schutz: Die Impfung!